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Jul 26 2010

Gogolopolis – die Parabel vom neutralen Schienennetz

Category: NetzneutralitätSteff @ 14:13
Lesedauer ca. 4.5 Minuten

Es war einmal ein Eisenbahner namens Rene. Rene hat in ganz Telematien die Eisenbahngleise gebaut und betrieb darauf den gesamten Zugverkehr. Nun gut, nicht alle Gleisstrecken, aber schon ziemlich viele. Naja, und eigentlich hat er sie auch nicht von Beginn an gebaut, er hatte Gleise und Züge einmal von den Inselbewohner geschenkt bekommen, dann aber immerhin kräftig weitere Gleise und Züge gebaut – mit dem Geld, welches er mit den geschenkten Gleise und Zügen verdient hat.

Insgesamt ging es Rene also ziemlich gut, er hat eine Geschenk bekommen, und verdiente damit nun Geld. Seine Kunden, waren mit seinem Service im Großen und Ganzen zufrieden und zahlten dafür auch angemessene Preise. Ab und zu gab es mal hier und da kleine Probleme, aber eigentlich lief es sehr gut und so hätte es eigentlich auch bleiben können. Rene hatte aber eine kleine Schwäche – er liebte das Geld. Er liebte es mehr als alles andere und konnte einfach nicht genug davon kriegen. Und so schaute Rene nun den ganzen Tag auf seine Gleise und Züge, haderte mit seinem Leben und fragte sich, wie er denn wohl noch mehr Geld verdienen könne. Da fiel ihm eines Tages eine Sache auf. Aus Telematien reisten sehr viele Bürger nach Gogolopolis, der Hauptstadt des benachbarten Neutralasiens. Wenn sie dort hinreisten, taten sie das über ganz bestimmte Strecken, zwar fuhren sie nicht die ganze Strecke bis nach Gogolopolis mit den Zügen und auf den Gleisen von Rene, aber immerhin doch einen Teil. In Gogolopolis amüsierten sie sich dann, gingen in Bibliotheken, Kunstausstellungen oder ins Kino. Das gab es zwar auch alles in Telematien, aber die Angebote in Gogolopolis waren so viel besser und günstiger, dass die Leute lieber dorthin fuhren.

Nun meinte Rene aber, dass seine Gleise und Züge durch die Reisewelle nach Gogolopolis über die Gebühr ausgelastet seien und sprach sogar von Verstopfung. Er erkannte nicht an, dass seine Kunden einfach nach den Angeboten aus Gogolopolis verlangten und für die Reise dorthin ja auch Geld an ihn bezahlten. Rene wollte mehr.

Gogopolis hatte einen sehr großen Bahnhof und in allerlei Richtungen gingen von dort aus Gleise weg. Für den Anschluss an dieses Gleisnetz zahlte Gogopolis auch einen großen Batzen Geld an verschiedenste Eisenbahnbetreiber. Nun kam aber Rene zu ihnen und sagte: “He ihr da in Gogolopolis! Meine Züge werden von Leuten verstopft, die zu euch wollen. Dafür will ich jetzt Geld von euch haben, ihr belastet damit nämlich mein Schienennetz.” Der Bürgermeister von Gogolopolis schaute daraufhin etwas erstaunt. Er seufzte dann und antwortete: “Lieber Rene, es sind deine Kunden, die zu mir wollen. Wenn das für Probleme bei dir sorgt, musst du deinen Kunden mehr Geld berechnen um damit die Gleise und Züge auszubauen. Wir zahlen ja für den Anschluss ans internationale Schienennetz und zwar gemäß dem internationalen Schienennetzabkommen. Im übrigen sind wir hier in Gogopolis der Meinung, dass jeder seine Reiseziele frei bestimmen können soll, nur so kann ein wahrhaft freier Reiseverkehr zum Vorteil aller entstehen.”

Rene passte diese Antwort gar nicht. Obwohl auch von den Bürgern Telematiens Proteste gegen seine Pläne laut wurden, drohte er weiter: “Hör mal, Bürgermeister von Gogopolis, wenn Du nicht zahlst, dann werde ich auf der Strecke zu euch nur noch kleine und kurze Züge einsetzen, dann kommen die Leute nur noch ganz langsam zu euch und ihr werdet sehen, was ihr davon habt.” Der Bürgermeister wollte sich aber nicht erpressen lassen und antwortete: “Nein Rene, sowas machen wir nicht mit. Nur weil plötzlich alle möglichen Leute meinen, uns für unseren Erfolg Geld abknöpfen zu müssen, heißt das noch lange nicht, dass diese Forderungen gerechtfertigt wären. Wenn du deinen Kunden den Weg zu uns schwieriger machen willst und dich nicht an eine sinnvolle Zusammenarbeit aller Schienennetzbetreiber halten willst, ist das dein Problem.”

Rene wurde nach dieser Antwort sehr wütend. Er hatte geglaubt, eine Möglichkeit gefunden zu haben, schnell und einfach mehr Geld verdienen zu können, sah sich aber jetzt dieser Möglichkeit beraubt. In seiner Wut ließ er nun nur noch Bummelzüge auf kleinen Nebenstrecken nach Gogopolis fahren, so dass die Reisenden nun viel viel länger brauchten.

Die Bürger von Telematien waren darob jedoch etwas ungehalten. Sie zürnten Rene und murrten: “Rene, was machst du da? Du hast das Schienennetz und die Züge von uns bekommen um für gute Reisemöglichkeiten für uns alle zu sorgen, egal wohin wir wollen. Zahlen wir dir denn nicht gutes Geld dafür? Warum lässt du uns nicht schnell und bequem dorthin reisen, wohin wir gerne wollen?” Rene wollte davon aber nichts hören. Er erkannte nicht, dass er ohne zufriedene Kunden gar kein Geld verdienen konnte und ließ den Verkehr in Richtung Gogolopolis weiter nur tröpfeln.

Die Bürger von Telematien wandten sich daraufhin gegen Rene. Die einen suchten andere Wege nach Gogolopolis und fanden sie auch, andere erhoben Klage beim König von Telematien, dass Rene die Aufgabe, für die im Gleise und Züge einst überlassen worden waren, nicht so erfüllte wie es ihm anstand. Der König sah dies, trotz Renes Zetern und Wimmern genau so wie die Bürger und verbot ihm, den Verkehr nach Gogolpolis zu beschränken. Diejenigen aber, die einmal nach andere Reisemöglichkeiten nach Gogolopolis gesucht und gefunden hatten, kamen nie wieder zu Rene zurück und er verdiente fürderhin weniger Geld als zuvor.

Und die Moral von der Geschicht’ – Blockiere uns’re Wege nicht.

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Jul 01 2010

Der Blinde Fleck

Category: Allgemeinservice @ 18:41
Lesedauer ca. 0.5 Minuten

Das Blog “Der Blinde Fleck” hat auch ein Interview mit mir gemacht.

Der blinde Fleck ist das Blog der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA).

Erste Aufgabe der Medien ist, die Öffentlichkeit über alle relevanten Ereignisse und Themen zu informieren. Aber nicht immer kommen sie dieser Pflicht nach. Themen, die für viele Bürger von Bedeutung sein könnten, werden verschwiegen.

Der blinde Fleck leistet als neues medienkritisches Blog Beiträge zur Diskussion des Phänomens der Vernachlässigung. Augenmerk des Blogs liegt daher nicht auf falscher oder überflüssiger, sondern ausbleibender Information durch die Medien.

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Jun 30 2010

Habemus Wulffum

Category: Bundespräsident,Parteien,RegierungSteff @ 22:33
Lesedauer ca. 1 Minute

Es ist getan. Der neue Bundespräsident steht fest. Es ist Christian Wulff, der Kandidat der Regierungskoalition. Ein Spaziergang oder Triumph war die Wahl allerdings wahrlich nicht.

Zwar mit absoluter Mehrheit wurde er gewählt, der Farblose aus Niedersachsen, aber erst im dritten Wahlgang. Und das, obwohl sich Frau Merkel doch eine Demonstration ihrer Macht und der Stärke der Koalition gewünscht hatte. Eine Demonstration, die ihre Vorstellung eines Bundespräsidenten im ersten Wahlgang ohne wenn und aber ins Amt hieven sollte. Aus dieser Demonstration einer gefestigten Machtposition wurde allerdings eine schallende Ohrfeige. Weder im ersten, noch im zweiten Wahlgang erreichte Wulff die notwendigen Stimmen zu einer absoluten Mehrheit und dementsprechend genervt schaute Frau Merkel aus der Wäsche. Wer also bestreitet, dass der Regierungskoalition heute ein heftiger Schlag versetzt wurde, den möchte ich bitten sich die Gesichter der Parteioberen von CDU, CSU und FDP nach den ersten beiden Wahlgängen noch einmal genau anzuschauen.

Zum Abschluss seiner Dankesrede sagte Wulff: “Gott schütze unser Land!” Ein Aufreger ist das indes nicht, Köhler schloss eine erste Wahlrede auch mit mit: “Ich grüße alle Landsleute nah und fern, unsere Nachbarn in Europa und unsere Freunde in der Welt. Gott segne unser Land!”

Johannes Rau schloss allerdings, ohne Erwähnung irgendeines Aberglaubens, mit: “So sage ich: Ich grüße alle Deutschen, ich grüße unsere Nachbarn, und ich grüße unsere Freunde überall in der Welt.” Die Beschwörungsformel dürfte bei Köhler und Wulff also einfach dem C in CDU geschuldet sein.

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Jun 29 2010

Studipolitblog

Category: Allgemein,UnPolitkSteff @ 15:03
Lesedauer ca. 1 Minute

Das Studipolitblog der HDM Stuttgart hat ein Interview mit mir zum Thema Politik, Blogs und Journalismus gemacht.

Das StudiPolitBlog (www.studipolitblog.de) an der Hochschule der Medien in Stuttgart gibt Studierenden seit 2009 die Möglichkeit, politische Themen zu diskutieren. Im Sinne eines weiter gefassten Verständnisses von Politik sind hierunter Themen zu verstehen, die Studierende als Teil der Gesellschaft deutschlandweit bewegen.

Das StudiPolitBlog will Kommilitonen dazu ermuntern, ihre persönlichen Erfahrungen mit Politik im Studienalltag und am Hochschulort zu schildern und online zur Diskussion zu stellen. Die gut zwei Millionen Studierenden in Deutschland sind hierfür eine äußerst relevante gesellschaftliche Zielgruppe.

Projektpartner des Blogs ist die Stuttgarter Zeitung. Die Idee für das Blog wurde in einem Seminar von Professor Dr. Oliver Zöllner zum Thema „Politische Public Relations: Wahlkampf-PR im Superwahljahr” entwickelt und wird seither fortgeführt.

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Jun 26 2010

Klare Antwort

Category: Regierung,Satire,ZitateSteff @ 12:26
Lesedauer ca. unter 30 Sekunden

“Und? Was halten sie von unserer Regierungskoalition?”

“Abstand!”

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Jun 18 2010

Gauckagenda

Category: Bundespräsident,ParteienSteff @ 11:07
Lesedauer ca. 1.5 Minuten

Eine Welle wogt über ganz Deutschland, eine Welle, auf der die Kandidatur Joachims Gaucks zum Bundespräsidenten in immer neue Höhen getragen wird. Er scheint der ideale Kandidat für den Posten zu sein, eine staatstragende Gestalt, die dem Amt mit der Würde und gelebter Erfahrung die nötige Ehre erweisen könnte. Was für ein unglaublicher Coup der SPD, eine solche Lichtgestalt auf das Kandidatenparkett geschoben zu haben.

Wirklich?

Muss man sich nicht fragen, wieso ausgerechnet die SPD einen Kandidaten vorschlägt, der an Konservativismus schwierig zu überbieten ist, will man die Reihe zur rechtsnationalen Idiotie nicht überschreiten. Sind da nicht wieder die neoliberalen Kräfte der SPD am Werk, die eigentlich zusammen mit ihrem Chefarchitekten der Agenda 2010, Frank-Walter Steinmeier, von der Parteibasis ins Abseits gestellt gehören?

Fast die gesamte Presse scheint sich einig wie sonst nur bei Trivialzielen à la “Deutschland soll Weltmeister werden” und auch das Netz stößt recht geschlossen mit ungewohnter Vehemenz in die Vuvuzela der Gauck-Promotion. Warum ist das so, fragt man sich? Ist es die Erleichterung, der Unperson Ursula von der Leyen entkommen zu sein und eine Alternative zum blassgrauen Christian Wulff geboten zu bekommen? Gemeinsame Begeisterung ob der mit Abstand besten von drei schlechten Alternativen? Eine Art bundespolitisches Stockholm-Syndrom?

Gauck ist ein Erzkonservativer Pfarrer, der Schroeders neoliberale Agenda 2010 begeistert akklamierte und lauthals mehr solche mutigen Taten forderte und fordert. Als die Montagsdemonstrationen sich gegen soziale Ungerechtigkeit und Hartz IV richteten, verurteilte er sie in beleidigtem Ton als als “töricht und geschichtsvergessen”. So darf in meinen Augen niemand sprechen, der als symbolisches Staatsoberhaupt alle Deutschen repräsentieren soll.

Gauck ist kein Symbol des Aufbruchs, Gauck ist ein Symbol des Rückschritts in den Sozialdarwinismus.

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Jun 11 2010

Der Thilosoph

Category: RassismusSteff @ 00:17
Lesedauer ca. 1.5 Minuten

Thilo Sarrazin hat gesprochen. Mal wieder. Wer sich an bisherige Äußerungen Sarrazins erinnert, weiß, dass dies selten etwas Gutes bedeutet. Laut dpa hat Herr Sarrazin von sich gegeben, dass Deutschland dümmer werden würde, weil ja so viele ungebildete Araber und Türken einwandern würden und es gäbe…

...eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz.

Wenn solche Äußerungen von einem feinripptragenden Freizeitnazi am Bierbüdchen getätigt werden, muss man ihn mit aller Kraft dafür verachten und, je nach Zivilcourage, auch zurechtweisen. Solchermaßen rassistisches Gedankengut weist den Weg hin zu Begriffen wie “Unwertes Leben”, ein Weg, der in der deutschen Geschichte ja durchaus schon begangen wurde.

Ohne Thilosoph Sarrazin eine Vorliebe für Feinripp absprechen zu wollen, seine Position im öffentlichen Leben ist nicht mit der dahergelaufener Freizeitnazis zu vergleichen. Er ist im Vorstand der Bundesbank tätig und damit auch ein Repräsentant unseres Staates. Mit solch einer öffentlichen Äußerung in seiner Position hat er in meinen Augen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt.

Seine aktuelle Äußerung war auch nicht die erste zu diesem Themenkreis, er hat auch früher schon mehrfach in die gleiche Kerbe gehauen, so dass man sich fragt: “Warum sitzt der Mann noch auf seinem Posten?” Gut, seine Kompetenzen bei der Bundesbank wurden deutlich beschnitten, aber reicht das wirklich aus? Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Staatsanwaltschaft schon mehrfach wegen Unregelmäßigkeiten und möglicher Untreue gegen ihn ermittelt hat. Weiß der Mann von so vielen Leichen im Keller, dass man sich trotz allem nicht traut, ihn endgültig abzusägen?

In der SPD sollte man vielleicht einmal darüber nachdenken, ob die Einstellung des Parteiausschlussverfahrens im März dieses Jahres wirklich die richtige Entscheidung war.

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