Eine Welle wogt über ganz Deutschland, eine Welle, auf der die Kandidatur Joachims Gaucks zum Bundespräsidenten in immer neue Höhen getragen wird. Er scheint der ideale Kandidat für den Posten zu sein, eine staatstragende Gestalt, die dem Amt mit der Würde und gelebter Erfahrung die nötige Ehre erweisen könnte. Was für ein unglaublicher Coup der SPD, eine solche Lichtgestalt auf das Kandidatenparkett geschoben zu haben.
Wirklich?
Muss man sich nicht fragen, wieso ausgerechnet die SPD einen Kandidaten vorschlägt, der an Konservativismus schwierig zu überbieten ist, will man die Reihe zur rechtsnationalen Idiotie nicht überschreiten. Sind da nicht wieder die neoliberalen Kräfte der SPD am Werk, die eigentlich zusammen mit ihrem Chefarchitekten der Agenda 2010, Frank-Walter Steinmeier, von der Parteibasis ins Abseits gestellt gehören?
Fast die gesamte Presse scheint sich einig wie sonst nur bei Trivialzielen à la “Deutschland soll Weltmeister werden” und auch das Netz stößt recht geschlossen mit ungewohnter Vehemenz in die Vuvuzela der Gauck-Promotion. Warum ist das so, fragt man sich? Ist es die Erleichterung, der Unperson Ursula von der Leyen entkommen zu sein und eine Alternative zum blassgrauen Christian Wulff geboten zu bekommen? Gemeinsame Begeisterung ob der mit Abstand besten von drei schlechten Alternativen? Eine Art bundespolitisches Stockholm-Syndrom?
Gauck ist ein Erzkonservativer Pfarrer, der Schroeders neoliberale Agenda 2010 begeistert akklamierte und lauthals mehr solche mutigen Taten forderte und fordert. Als die Montagsdemonstrationen sich gegen soziale Ungerechtigkeit und Hartz IV richteten, verurteilte er sie in beleidigtem Ton als als “töricht und geschichtsvergessen”. So darf in meinen Augen niemand sprechen, der als symbolisches Staatsoberhaupt alle Deutschen repräsentieren soll.
Gauck ist kein Symbol des Aufbruchs, Gauck ist ein Symbol des Rückschritts in den Sozialdarwinismus.
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Juni 19th, 2010 at 03:01
Ich finde schon, dass SPD und Grünen da ein Coup gelungen ist. Allerdings nur in Parteikindergarten-Hinsicht. Wenn Gauck gewinnt, der ja aus den oben beschriebenen Gründen für FDP- & CDU-Leute wesentlich atraktiver ist, besteht imho eine vergleichsweise relativ große Chance auf ein Ende von Schwarz-Geld (zumal Seehofer auch schon den Austritt aus der Koalition angedroht hat, sollte Wulff verlieren – könnte auch einfach nur Panikmache sein, damit auch alle schön Wullf wählen) und auch die Linke hat ja schon schlechte PR geerntet.
Dass das Internet so begeistert von Gauck ist, ist schade. Dummerweise ist Gauck auch im Vergleich zum unscheinbaren evangelikalen Wulff der bessere Kandidat für das Amt. (Zumindest vom auftreten her, beim Rest schwanke ich noch…) VdL war wohl eine sehr gute Blendgranate. Und evt. sogar bisher die beste Kandidatin (mit einer reellen Chance – die Kandidatin der Linken hab ich mir noch nicht angeguckt). Traurig.
Fehlt eigentlich nur noch eine Verschwörungstheorie, dass alles nach Plan läuft und Merkel, Illuminaten, CIA, Mossad und Westerwelle sich ins Fäustchen lachen.
Juni 19th, 2010 at 10:52
Als die Montagsdemos von unseren linken Brandstiftern mißbraucht wurden, um für eine weitere Umverteilung und Ausweitung eines bankrotten Sozialsystems zu demonstrieren, war das ungefähr so albern und so geschichtsvergessen, wie Demos in KZ-Häftlingskleidung für bessere Haftbedingungen.
Juni 21st, 2010 at 10:37
Alle wichtigen Fakten zum Thema hat Rayk Wieland schon im August 97
zusammengetragen:
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=a4
Für kakteengießende Totalitarismus-theoretiker ist das, verständlicherweise, nur Schmuddelkram.