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Mai 31 2010

Horst Köhler ist zurückgetreten

Category: Allgemein,Grundgesetz,MedienkompetenzSteff @ 13:48
Lesedauer ca. 1 Minute

Horst Köhler ist heute zurückgetreten.

Wenn ich ihn richtig verstanden habe, tritt er aber nicht zurück, weil er am Pfingstsamstag einige sehr zweifelhafte Äußerungen im Interview mit dem Deutschlandradio getätigt hatte. Er begründete den Rücktritt damit, dass die Diskussion und Kritik, welche durch seinen Aussagen ausgelöst wurde, von “mangelnden Respekt für das Amt” zeugen würde. Er tritt also nicht zurück, weil er eingesehen hat, dass seine Äußerungen so nicht akzeptabel sind und einer klaren und offenen Diskussion bedürfen.

Der Grund, warum ich das Thema aufgegriffen hatte, war meine Auffassung, dass sein Interview so nicht unkritisch hingenommen werden sollte, sondern einer möglichst breit angelegten Diskussion bedarf. Darum hatte ich auch in einer Mail an das Bundespräsidialamt um weitere Erläuterung der Äußerungen gebeten, aber bis heute keine Antwort auf die Anfrage erhalten. Einen Rücktritt wegen dieser Äußerungen hielte ich für die falsche Reaktion.

Aber Herr Köhler tritt ja auch nicht wegen dieser Äußerungen zurück. Nein, er tritt zurück, weil er in offener Diskussion und Kritik, den Grundlagen einer demokratischen Politik, “mangelnden Respekt” sieht.

Ich möchte jeden bitten, das ganz für sich selbst zu bewerten.

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14 Responses to “Horst Köhler ist zurückgetreten”

  1. Tom says:

    Wenn er sich für unfehlbar hält, muss er sich halt als Papst bewerben. ;)
    Was solls, in 4 Wochen kennt keiner mehr seinen Namen.

  2. Kiri says:

    Ich versteh auch nicht, was der Köhler nun für ein Tamtam macht.
    Es ist klar, dass eine Person, die ein öffentliches Amt inne hat, automatisch auch der öffentlichen Kritik ausgesetzt ist.
    Wenn man dafür keinen Nerv hat und Kritik nicht verträgt, dann hat das nichts mit “Respekt[losigkeit] vor dem Amt” zu tun, sondern mit der Person, die dieses Amt bekleidet.
    Das Problem liegt dann ergo bei der Person. Nunja.

    Wenn der Herr Köhler so empfindlich ist, finde ich den Rücktritt richtig. Wäre er in eine wirkliche Krise gekommen, wer weiß, was der Mann dann so angestellt und losgelassen hätte.

  3. i_Peter says:

    Warum Köhler zurückgetreten ist

    Köhler ist wohl nicht wegen seinen Äußerungen zu Afghanistan
    und Verteidigungspolitik im allgemeinen zurückgetreten, sondern weil
    ihm der Respekt von denen fehlt, die ihn ins Amt gehievt haben.
    Siehe dazu mein Kommentar im SPON-Forum:
    http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=5607094#post5607094

  4. m says:

    Er sagte: mangelnder Respekt für “mein Amt”.

  5. miss.b says:

    das war mein erster gedanke, als ich die PK gesehen habe… “er tritt bitte WARUM zurück???”
    ich finde das feige was er macht. er hätte dem volk und der presse die stirn bieten sollen, so wie es alle (die meisten) kritisierten politiker tun. aber er läuft ja lieber davon.

  6. crazykeks says:

    Wenn ich richtig informiert bin, ist er auch enttäuscht von der mangelnden Unterstützung der Bundesregierung. Merkel und Westerwelle haben sich ja wie so oft aus allem rausgehalten.

    Was ich bei der ganzen Sache aber am traurigsten finde, ist die Tatsache, das Köhler noch einer der vertrauenswürdigsten war.

    Und die, die unser Land langsam aber mit ziemlicher Sicherheit in den Abgrund stürzen, bleiben in ihren Ämtern. Die oben genannten Personen müssten als nächste gehen.

  7. nachdenk says:

    Mir stellt sich die Frage, ob dieser Rücktritt nicht ganz andere Ursachen haben könnte?

    Könnte es nicht sein, dass dort oben etwas ganz anderes im Busch ist, was er nicht mittragen kann? Oder wurde er gar dazu gezwungen?

    http://tinyurl.com/3ymdm5m

  8. gigi - gisa kaiser says:

    Bundespräsidenten beziehen ihr Präsidentensalär ungekürzt bis zu ihrem Tod. Unter diesen Bedingungen kann der Ex-Bundeshorst bequem zurücktreten. Geleistet hat er schon länger nichts mehr, nun kann er sich gut versorgt auf die faule Haut legen. Es muss geprüft werden, ob Hn. Köhler angesichts seiner Leistungsverweigerung nicht das Salär gestrichen oder zumindest stark gekürzt werden kann. Es muss überall gespart werden, da könnten wir bei diesem fahnenflüchtigen Präsidentendarsteller, der einen absolut jämmerlichen, inkompetenten und armseligen Eindruck hinterlässt, anfangen.

    • WiesoWeshalbWarum says:

      Köhler hat als Bundespräsident die Hälfte dessen verdient, was er als IWF Direktor bekommen hat. Es war also für ihn finanziell nicht “bequem”, das Amt anzunehmen und es ist sicher nicht aus “Bequemlichkeit”, dass er es jetzt wieder aufgibt. Der Beitrag ist mit dem gleichen diffamierenden Duktus der Kommentare aus Presse und Politik geschrieben, die Köhler zum Rücktritt getrieben haben. Sachliche Kritik an der missverständlichen Äußerung hatte er zu ertragen, aber Sprüche wie “rhetorische Deckskanone an der Staatsspitze” (Trittin), “Schwadronierer” (Süddeutsche) oder “Horst Lübke” (Spiegel) finde ich unerträglich. Ich finde, das es zumindest ein Staatsamt geben sollte, vor dem der Respekt so hoch ist, dass Journalisten und Politiker auf billige Profilierung in eigener Sache durch ad hominem und nicht ad rem gerichtete Kritik gegenüber dem jeweiligen Amtsinhaber verzichten und ihre Kritik ausschließlich sachlich äußern. Insofern finde ich den Rücktritt zwar nicht notwendig, aber nachvollziehbar und nicht “fahnenflüchtig”.

  9. Konstanzer says:

    Die angeblich “zweifelhaften Äußerungen” von Horst Köhler sind gar nicht so zweifelhaft, wie es die empörten Massen gerne hätten. Wenn man nur ordentlich mit Dreck wirft, wird schon was hängen bleiben.

    Das Weißbuch zur Sicherheitspolitik sagt nämlich ganz deutlich:

    “Transportwege – Ressourcen – Kommunikation

    Deutschland hat aufgrund seiner immer engeren Verflechtung in der Weltwirtschaft besonderes Interesse an internationaler Stabilität und ungehindertem Warenaustausch. Wie viele andere Länder ist es in hohem Maße von einer gesicherten Rohstoffzufuhr und sicheren Transportwegen in globalem Maßstab abhängig und auf funktionierende Informations- und Kommunikationssysteme angewiesen. Verwerfungen im internationalen Beziehungsgefüge, Störungen der Rohstoff- und Warenströme, beispielsweise durch zunehmende Piraterie, und Störungen der weltweiten Kommunikation bleiben in einer interdependenten Welt nicht ohne Auswirkungen auf nationale Volkswirtschaft, Wohlstand und sozialen Frieden.”

    Hier ab Seite 21 nachzulesen:
    http://merln.ndu.edu/whitepapers/Germany_Weissbuch_2006_oB_sig.pdf

    Man muss damit nicht einverstanden sein. Man muss auch nicht mit allen Aussagen von Horst Köhler einverstanden sein. Aber Respekt vor dem höchsten Amt kann man trotzdem wahren. Aber was rege ich mich auf. In Zeiten, in denen die Hälfte der deutschen Nationalmannschaft sich weigert, die deutsche Nationalhymne zu singen (“Deutschland scheiße, Euro gut”), sind Respekt und Würde sinnleere Worthülsen.

    Mit Einzug der SED-Nachfolgeorganisation und Demokratieverächter in unsere Parlamente, bleib der Anstand halt außen vor.

  10. frizztext says:

    ein schöner Erfolg für die mediale Arbeit im Netz, seitlich der Hofbericht-Erstattungen durch die banalen Print-Medien

  11. Andreas Reinold says:

    Ich denke Köhler ist kein Verlust. Die Rücktrittserklärung auf der Seite des Bundespräsidialamtes ist ziemlich genau eine halbe DIN A4-Seite lang (oder kurz) und zudem schlecht geschrieben.
    Die kritisierten Äußerungen hätte er leicht durch Verweis auf das verteidigungspolitische Weißbuch entkräften können.
    Was ich dagegen außerordentlich verdächtig finde ist, dass sich im Gästebuch der zuvor erwähnten Internet-Seite nicht eine einzige kritische Anmerkung zum Rücktritt findet.
    Zu Testzwecken habe ich einige maßvoll kritische Zeilen eingegeben. Mal kucken, ob die noch auftauchen.

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