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Apr 19 2009

Freie DNS-Server

Category: Netzzensur,Telekom PaketSteff @ 11:56
Lesedauer ca. 0.5 Minuten

Aus gegebenem Anlass ist hier mal eine Liste mit freien und unzensierten DNS-Servern aus Deutschland oder dem deutschsprachigen Raum.

Die Server waren von mir aus alle in 40 bis 50 ms zu erreichen.

87.118.100.175 (Germany Privacy Foundation)
85.214.73.63 (FoeBuD e.V.)
213.73.91.35 (CCC)

Wer nicht weiß wie er einen neuen DNS-Server einträgt, möge bitte Google benutzen.

UPDATE:
Hier ist eine sehr ausführliche Seite zum Thema.

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Apr 17 2009

Wehret den Anfängen!

Category: Netzzensur,WahljahrSteff @ 17:32
Lesedauer ca. 2.5 Minuten

Heute wurde von vielen der großen Internetprovider freiwillig der BKA-Sperrlistenvertrag unterschrieben.

Diese Sperrlisten sollen laut Ursula von der Leyen beim Kampf gegen die Kinderpornographie helfen. Begründet wird dies mit mehreren Aussagen, die sich bei näherer Analyse als nicht belegbar und mitunter dreiste Lügen herausstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Art und Weise auf die gesperrt wird, sehr leicht auszuhebeln ist. Dazu reicht es, in seiner Netzwerkkonfiguration einen freien DNS einzutragen – einschlägige Anleitungen und DNS-Adressen kursieren ja im Netz. Allerdings wird erfahrungsgemäß nur ein sehr geringer Prozentsatz der gesamten Online-Gemeinde wirklich den Weg über einen alternativen DNS gehen. Da wäre es jetzt die Aufgabe aller “Wissenden” ihre Umwelt aufzuklären und ihnen zu helfen.

Wenn also die Begründung hinter der ganzen Aktion Humbug ist, warum passiert das eigentlich?

Zum einen zeigt die Aktion alle Merkmale des typischen blinden Aktionismus im Wahljahr. Kinderpornographie ist als Bekämpfungsobjekt zu Recht ein sehr massentaugliches Thema. Da muss etwas getan werden, das bestreitet niemand. Der momentane Aktionismus aber, lässt sich getrost als billige Wahlpropaganda betrachten.

War es das? Alles als Wahlpropaganda abstempeln, alternative DNS benutzen und Frau von der Leyen eine schlechte Volksvertreterin sein lassen? Nicht ganz.

Aus mangelnder Kontrolle der zuständigen Stelle für diese Sperrliste, nämlich des BKAs, resultiert die Gefahr des Missbrauchs. Des Missbrauchs als allgemeine Zensurliste und nicht nur als Sperre gegen Kinderpornographie. Was ist da wirklich dran? Untersuchungen der Listen aus anderen europäischen Ländern haben ergeben, dass erstaunlich viele Einträge auf der Liste landen, die eigentlich nichts dort zu suchen haben. Insofern scheint eine Zensur von legalen Inhalten schon im Ansatz vorprogrammiert. Abgesehen davon erzeugt eine einmal geschaffene Infrastruktur natürlich Begehrlichkeiten. Wir erinnern uns schließlich alle an die Äußerungen zur Nutzung der Mautkameras auf den Autobahnen. Entsprechende Begehrlichkeiten bezüglich der Sperrliste, wurden auch schon von Seiten der Industrie angedeutet.

Der Vorstoß der Familienministerin zum Verbot von Kinderpornografie im Internet ist ein richtiges Signal. Es geht um gesellschaftlich gewünschte Regulierung im Internet, dazu gehört auch der Schutz des geistigen Eigentums.
Dieter Gorny, Bundesverband Musikindustrie e.V

Der Regierung ist natürlich sehr wohl bewusst, dass die Sperrliste einfach umgangen werden kann, was die Annahme nahe legt, dass nach einer breiten Akzeptanz des ersten Schritts, weitere Schritte zur Kontrolle und Teilsperrung des Internets folgen werden.

Ein wirksames Konzept im Kampf gegen die Kinderpornographie innerhalb des Internets hat die Regierung zur Zeit nicht anzubieten. Wofür sie sich feiern lassen möchte ist eine wirkungslose Augenwischerei, die im schlimmsten Fall einer allgemeinen Zensur des Internets Tür und Tor öffnet.

[...]die anständigen Bürger sind auf irgendeine Art träger, kümmern sich nicht um die Anfänge politischen Unheils und werden schließlich erst durch die Unausweichlichkeit selbst aufgerüttelt, so dass sie selbst manchmal durch ihr Zögern und durch ihre Trägheit, während sie sogar unter Verlust ihres Ansehens die Ruhe behalten wollen, beides verlieren.
Cicero, Wehret den Anfängen

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Apr 12 2009

Information des DENIC zu Wikileaks.de

Category: NetzzensurSteff @ 17:02
Lesedauer ca. 1.5 Minuten

Ein guter Freund von mir hat auf Nachfrage folgende Antwort von der Pressestelle des DENIC erhalten:


Sehr geehrter Herr Steins,

vielen Dank für Ihre Anfrage zur Domain wikileaks.de.

Grundsätzlich werden Domains bei der DENIC über ein automatisiertes Interface durch den betreuenden Provider bearbeitet. Der betreuende Provider hat dabei die Möglichkeit, die administrativen oder technischen Daten einer Domain zu aktualisieren. Oder er kann der DENIC mitteilen, wenn das Kundenverhältnis zwischen ihm und dem Domaininhaber beendet wurde(= Domain in den Transit geben).

Im Falle, dass uns mitgeteilt wird, dass ein Provider eine Domain nicht mehr verwaltet, hat der Domaininhaber zum einen die Möglichkeit, dieDomain zu einem anderen Provider umzuziehen (= Providerwechsel beauftragen). Zum anderen kann er die Domain bei DENICdirect belassen oder aber auch die Domain löschen.

Warum ein Provider die Domainverwaltung aufgibt, entzieht sich dabei unserer Kenntnis. Gründe können z.B. sein, dass der Vertrag mit dem Kunden gekündigt ist, dass die Bezahlung aussteht, ...

Im Fall der Domain wikileaks.de wurde uns am 9. April durch den Provider mitgeteilt, dass die Domain nicht mehr durch ihn verwaltet wird (Sie ist in den Transit gegeben). Es liegt der DENIC aktuell kein Providerwechselauftrag oder eine andere Information des Domaininhabers vor, wie die Domain zukünftig verwaltet werden soll. Insoweit kann DENIC im Moment nicht (sinnvoll) tätig werden.

Soweit diese Informationen. Wir wünschen Ihnen schöne Osterfeiertage.

Andreas Hölting
DENIC presse

DENIC eG
Kaiserstraße 75-77
60329 Frankfurt am Main
GERMANY


via Email von dirksteins.de

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Apr 11 2009

Regulierung… oder auch nicht

Category: Finanzkrise,Parteien,UnPolitkSteff @ 20:02
Lesedauer ca. 2 Minuten

Der Hauptgrund für die aktuelle Wirtschaftskrise ist eine mangelnde Kontrolle und Regulierung des Finanzsektors. Mangelnde Kontrolle, die es wild gewordenen Investmentbankern erlaubte mit Milliardenbeträgen ins deregulierte Casino zu marschieren und dort Roulette zu spielen.

Hemmungslose Deregulierung, egal unter welcher Regierung in den letzten 10 bis 15 Jahren, die einen aufgeblasenen Finanzmarkt geschaffen hat, der nicht einmal ansatzweise im Verhältnis zur realen Wirtschaft steht. Der gesamte Finanzmarkt schafft schließlich keinen einzigen Cent an Wert, er verteilt Geld nur um.

Nun gut, passiert ist passiert. Jetzt kommt es also darauf an, diesem Wahnsinn einen Riegel vorzuschieben. Einen Riegel aus strikten Auflagen, durch die die Finanzblase nach und nach auf ein halbwegs gesundes Maß reduziert werden kann.

Angela Merkel und Peer Steinbrück reden auch immer mal wieder kurzzeitig von Regulierung, nur passiert ist bisher genau gar nichts. Frau Merkel hat eine Expertenkommission eingesetzt, zu deren Vorsitzendem sie zuerst den früheren Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer machen wollte. Einen der ehemals energischsten deutschen “Freier Markt”-Schreier für die Deregulierung. Ach ja, und außerdem Aufsichtsrat bei der Hypo Real Estate…
Nachdem die Personalie Tietmeyer sich als undurchsetzbar erwies, fiel die Wahl dann auf den ehemaligen Chef-Volkswirt der EZB, Otmar Issing, seines Zeichens ebenso ein vehementer Verfechter des freien Marktes und der Deregulierung. Ich möchte nur ungern das vielzitierte Bild von Böcken und Gärten und der Pflege der betreffenden Grünanlage bemühen, aber hier bietet es sich wirklich an.

Selbst die britische Regierung, seit Iron Maggie auch eine Speerspitze für die Deregulierung, scheint die Wurzel des Problems jetzt erkannt zu haben:

The financial crisis has challenged the intellectual assumptions on which previous regulatory approaches were largely built, and in particular the theory of rational and self-correcting markets[...]The changes recommended are profound, and the banking system of the future will be different from that of the last decade. The world’s economy will be better served as a result.
Lord Turner, Chairman Financial Services Authority

In Deutschland hingegen nichts wesentliches. Issings Experten-Club hat vorgeschlagen ein internationales Register für hohe Risiken bei Großkrediten zu schaffen. Das hat mit der Bekämpfung der Ursachen der Finanzkrise ungefähr genau so viel zu tun wie der Speiseplan der Bundestagskantine.

Derweil wird in Deutschland schön durch ein geheimes Gremium Steuergeld an die Banken verteilt, ohne das neue Regulative geschaffen werden. Ach eins noch, die Verteilung der Milliarden geschieht auch wieder ohne wahre Aufsicht und Regulierung…

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Apr 10 2009

Reform mit Gauweiler

Category: Neue Demokratie,Parteien,UnPolitkSteff @ 16:05
Lesedauer ca. 2 Minuten

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich einmal Äußerungen von Peter “AIDS-Test” Gauweiler (CSU) positiv bewerten würde. Aber dann erinnert man sich plötzlich wieder an den Irak-Krieg, gegen den er damals als erster aus der CDU/CSU-Fraktion Stellung bezog und sich folgendermaßen dazu äußerte:

Sowohl die Intervention der USA im Irak als auch die Bombardierung Jugoslawiens und seiner Hauptstadt Belgrad durch die Nato geschah ohne Mandat der Vereinten Nationen. Dies ist von der deutschen Völkerrechtslehre zutreffend und mit Nachdruck als völkerrechtswidrig bewertet worden.

Später war er dann plötzlich einer von nur vier Unions-Abgeordneten, die gegen die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben. Mit diesem Verhalten hatte er die vorgegebene Parteilinie schon wieder deutlich verlassen.

Sollte es sich sich bei Peter Gauweiler wirklich um einen Maverick handeln, einen eigensinnigen Ausreißer, der sich gegen das Brandzeichen des Fraktionszwangs wehrt?

In einem Gespräch mit dem Spiegel hat er jetzt zu einer Parlamentarismus-Reform aufgerufen um einem Eindruck entgegenzuwirken, der ihm Bauchschmerzen bereitet.

[...]dass Abgeordnete, die eigenständig über das eigene Land reden wollen, nicht mehr erwünscht sind.

Ich würde diesen Eindruck zwar nicht auf den Bundestag beschränken, aber prinzipiell hat Gauweiler natürlich recht damit, dass die Demokratie gefährdet ist wenn aus Angst vor Repressalien nicht überall frei über alle Themen geredet werden kann.

Eine von Gauweilers Forderungen besteht darin mehr direkte Demokratie zu wagen. Abgeordnete sollen direkt aus ihren Bezirken in den Bundestag gewählt werden können, ohne dass sie vorher über Listen der Parteien aufgestellt werden müssen. Das ist als Forderung so sicher sehr vereinfacht, hat aber einen gewissen Charme.

Es würde nämlich dem Fraktionszwang, der de facto die Demokratie der gesamten deutschen Legislative beeinträchtigt, einen großen Teil seines Schreckens nehmen. Kann ein Abgeordneter sich bei einem wichtigen Thema partout nicht der Fraktionsweisung unterordnen, wird er zur Zeit bei der nächsten Wahl einfach nicht mehr aufgestellt. Klappe zu, Affe ist tot. Wenn dieses Druckmittel nun wegfallen würde, gäbe es sicher einen deutlich differenzierteren und muntereren Diskurs in den Fraktionen als das angepasste Durchwinken, welches zur Zeit vorherrscht.

Laut Artikel 38 Absatz 1 unseres Grundgesetzes ist jeder Abgeordnete frei zu entscheiden, wie er es für richtig hält:

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

Um allerdings in einen Gewissenskonflikt zu geraten, muss man sich erst mal trauen eins zu besitzen.

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Apr 09 2009

Politische Elfenbeintürme

Category: UnPolitk,ZitateSteff @ 17:27
Lesedauer ca. unter 30 Sekunden

When you are only surrounded by people who speak the same vocabulary as you or share the same set of assumptions as you, you start to think that that’s reality.
Emily Levine

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Apr 09 2009

Keine 3 Strikes

Category: EU,Telekom PaketSteff @ 15:53
Lesedauer ca. 1 Minute

In Frankreich ist das “Graduate Response”-Gesetz, von dem angenommen wurde, dass es in der Nationalversammlung einfach nur noch durchgewunken würde, überraschend abgelehnt worden.

Das Gesetz hätte es der Privatwirtschaft in Frankreich erlaubt, ohne Beweise antreten zu müssen, Grundrechte von Bürgern einzuschränken.

Dazu gibt es auch weitere Erläuterungen bei netzpolitik.org und bei futurezone.

Gebannt ist die Gefahr damit allerdings noch nicht. Im generell sehr kritikwürdigen EU-Telekom-Paket ist die “Graduate Response”-Idee auf dubiose Weise wieder aufgetaucht. Die EU-Kommission hat den Zusatz 138 des Telekom-Pakets vollkommen verdreht. Ursprünglich sollte der Anhang 138 garantieren, dass Grundrechte nur durch eine gerichtliche Instanz eingeschränkt werden können. In der neuen Version steht jedoch:

no restriction may be imposed on the fundamental rights of end-users, without a prior decision taken by legally competent authorities

Kein Wort mehr von gerichtlicher Instanz sondern nur noch der äußerst schwammige Begriff “legally competent authorities”.

Man kann nur hoffen, das die Ablehnung der französischen Spielart von “3 strikes” einen deutlichen Eindruck im EU-Parlament hinterlässt und nicht, wie schon so oft geschehen, national gescheiterte Gesetze über die EU doch noch durchgesetzt werden.

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