Zur Zeit schlägt in Internet-Community ein Interview hohe Wellen, welches Ursula von der Leyen dem rbb Radio eins gegeben hat.
Sie sagt nicht, dass 20% der Internetnutzer Pädokriminelle wären. So dummdreist ist nicht mal Frau von der Leyen.
Sie bewegt sich mit der letzen Antwort klar im Kontext des “Geschäfts Kinderpornographie” ob ihre Aussagen über dessen Größe jetzt stimmen mögen oder nicht. Und zur leichten Umgehbarkeit der Sperren sagt sie dann:
Naja, wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt rund 80% die ganz normalen User des Internet sind. Und jeder der jetzt zuhört kann eigentlich sich selber fragen: Wen kenne ich, wer Sperren im Internet aktiv umgehen kann? Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20%. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte äh Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft. Da muss die Polizei rein.
Sie bezieht sich hier mit Kunden auf kommerzielle Kinderpornographie-Konsumenten. Die seien zu 80% nicht technisch versiert, und bei den restlichen 20% gäbe es einen Teil, der schwer pädokriminell wäre.
Nichtsdestotrotz ist dies natürlich reine Propaganda. Die Formulierung ist, und hier muss ich leider Absicht unterstellen, sehr leicht missverständlich. Es werden so rein rhethorisch Begriffe wie “Foren” und “versierte äh Internetnutzer” in die Nähe zu “schwer Pädokriminelle” gebracht. Begriffe, die aber auch im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen die Internetsperren-Bestrebungen der Bundesregierung stehen, da sich vor allem in Internet-Foren und bei versierten Internetnutzern eine Widerstandsbewegung gebildet hat.
Mit Porno- und Neonazi-Schreckbildern bekommt man fast jeden SPD-Abgeordneten dazu, einer Einschränkung der Grundrechte zuzustimmen.Tweet it
Peter Lokk, 1998


April 26th, 2009 at 14:27
Naja, das ganze Interview hinterläßt einen faden Beigeschmack in Bezug auf die Notwendigkeit eines solchen DNS-ReRoutings. Im Interview gibt sie die tägliche Zugriffszahl auf Webseiten mit Kinderpornographie in Höhe von 300-400.000 zu Protokoll. Wenn den Ermittlungsbehörden solche Zahlen vorliegen, sollte es doch keine Probleme bereiten, die IP-Adressen für die Zugriffe zu ermitteln und schon kann man zuschlagen.
Und auch wenn es nur eine Schätzung ist, muss Frau von der Leyen es sich gefallen lassen, dass man hinterfragt, auf welcher Grundlage diese Schätzung basiert. Die Argumentation der Politiker für dieses Gesetz erinnert mich immer an Diskussionen mit Kindern, denen man mit fadenscheinigen Übertreibungen seine Meinung aufdrücken möchte.
Auch bezeichnend für die Ehrlichkeit von Frau von der Leyen: ihr Ausweichen auf die letzte (mehrfach wiederholte) Frage der Moderatorin zur Speicherung der Zugriffsdaten auf die Stop-Seiten. Soll Frau von der Leyen doch einfach sagen, dass die Zugriffe gespeichert und ausgewertet werden, um eventuelle Rückschlüsse daraus zu ziehen. Ihr Ausweichen lässt jedenfalls Zweifel entstehen, was mit diesen Daten wirklich geschieht.
April 26th, 2009 at 14:48
@Stephan Die Zahlen beruhen eben auf einer mutwilligen Fehlinterpretation der Daten aus den skandinavischen Erfahrungen mit Sperrlisten. Die gesamte Argumentation ist ja extrem löchrig. Wer es noch nicht gelesen hat, bitte hier schauen. http://netzpolitik.org/2009/die-dreizehn-luegen-der-zensursula/
April 26th, 2009 at 14:30
Niemand, der das Bestreben hat, einschlägige Seiten aufzurufen, wird den ursprünglichen DNS beibehalten. Die einzigen, die ihn beibehalten, sind die sog. unschuldigen Bürger, die sich gerne manipulieren lassen.
April 26th, 2009 at 14:53
Auch die Formulierung “wer Sperren im Internet aktiv umgehen kann” klingt für die breite Masse schon wie etwas illegales. “War da nicht mal was mit dem illegalen umgehen von Kopierschutz?”, denkt der ein oder andere sicher.
In Wahrheit nimmt man einfach nicht den Auskunftsservice seines Providers sondern nutzt ein freies Angebot. Ich kaufe mein Obst also nicht bei Edeka sondern im Obstladen um die Ecke.